Mit diesem zweiten Artikel zum Thema Blockchain (Link zum ersten Teil) möchten wir Ihnen anhand einiger Beispiele sowohl die Anwendungsmöglichkeiten als auch eine Vision der Tragweite dieser Technologie näher bringen.

Etwas überspitzt formuliert, beschreibt die „Musterlösung“ Blockchain das Internet 2.0; nicht nur ein Internet der Informationen, sondern ein Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) und der Werte (Internet of Value, IoV), welches den nahezu sofortigen, globalen Austausch ermöglicht.

Revolution BlockchainDieser Austausch erfolgt ohne Intermediäre, deren Kontroll- und Sicherungsfunktion zu entlohnen sind, denen der Teilnehmer zu vertrauen hat und dem er auch ein Stück weit ausgeliefert ist.

Der Nutzer einer Blockchain kommt innerhalb dieser ausschließlich in den Kontakt mit weiteren Nutzern. Die Verantwortung aber auch die Freiheit für seine Aktivität obliegt dem Akteur. Die Schnittstelle zu übergeordneter Hoheit sind der Ein- und Austritt in die bzw. aus der Blockchain.

Sobald die Entscheidung fällt, Aktivitäten im Rahmen der Blockchain-Technologie durchzuführen, ist ein Beitritt in den jeweiligen „Kreis“ notwendig. Dies ist in etwa vergleichbar mit der Erstellung einer E-Mail-Adresse. Ein Anbieter, dem zur Authentifizierung Daten unterschiedlicher Brisanz und unterschiedlichen Umfangs anvertraut werden, wird aktiv durch den Nutzer gewählt. Mit diesem Zugang und den dort hinterlegten Daten sind dann die vereinbarten Aktivitäten durchführbar.

Anwendung kann die Technologie grundsätzlich überall dort finden, wo Austausch betrieben und eine entsprechende Protokollierung erforderlich wird und so betrifft sie schlichtweg jeden, der einen Austausch oder eine Protokollierung befähigt und auch jeden, der diese in Anspruch nimmt. Kurzum: JEDEN.

Aufgeteilt in unterschiedliche Kategorien und/oder Wirtschaftssysteme möchten wir Ihnen zum Teil auch triviale Anwendungsmöglichkeiten und deren Vor- und Nachteile für die Beteiligten gegenüber der bisherigen Handhabung aufzeigen.

Finanzsystem

Für das Finanzsystem ist diese Technologie ein zweischneidiges Schwert. Die bedrohliche Schneide ist die implizite Disruption hinsichtlich bestehender Ertragsstrukturen. So wird die Funktion der Bank als Intermediär durch eine disruptive Technologie abgelöst. Betroffen sind insbesondere die Bereiche Zahlungs-, Wertpapier und Derivateverkehr sowie das Angebot von Kredit- und Darlehensbereitstellungen. Die vollständig nachvollziehbare, dem Nutzer Vertrauen und Sicherheit vermittelnde Technologie ersetzt die Notwendigkeit der bisherigen Art von Finanzdienstleistung.

Finanzsystem BlockchainDie Plattformen Bank oder Börse würden visionär zumindest als „Insellösungen“ nicht mehr benötigt. Viel mehr verspricht die Vision "Finanzmärkte der Zukunft" einen Zusammenschluss aller Beteiligter an monetären Systemen und damit den direkten und sofortigen Austausch. User und deren Werte sind durch das „Eingangsportal“ authentifiziert und jede Bewegung für jeden vollumfänglich sichtbar und historisch unabänderlich dezentralisiert innerhalb des Kosmos Finanzsystem gespeichert. Einer einzigen Hoheit seine monetären Werte anzuvertrauen und diesen für die Abwicklung zu bezahlen, wird obsolet.

Die Partizipation und eigene Nutzung genau dieser Technologie birgt andererseits auch erhebliche Potentiale für Börse und Finanzdienstleistung. So rechnet die spanische Großbank Santander beispielsweise mit einem Einsparpotential von bis zu 20 Mrd. Dollar pro Jahr (Quelle. Manager Magazin). Die wesentlichen Vorzüge für die Banken liegen dabei bisherigen Erhebungen zufolge wesentlich in der Vereinfachung des Reportings und der Schmälerung von Verwaltungsaufwendungen.

Smart-Contracts wie beispielsweise Darlehensverträge mit all ihren Bedingungen, Sanktionen bei Nicht-Einhaltung durch den Konsumenten können Teil der Blockchain werden. Es wäre denkbar, säumige Raten von Autokrediten mit einer Wegfahrsperre des finanzierten Wagens zu sanktionieren. Ohne Zutun dafür entlohnter, persönlich Beteiligter, rigoros, effektiv und - zugegeben - visionär.

Eine weit weniger zukunftsgerichtete Auswirkung der Technologie ist die Bargeldminimierung. Bereits jetzt ist die Begleichung auch von sehr kleinen Beträgen innerhalb der Bitcoin-Blockchain möglich: Micro-Payments, entweder online oder auch via contact-chip, keine Verarbeitungszeiten für die Beteiligten, keine zwischengeschalteten Autoritäten und damit auch keine Notwendigkeit für unverhältnismäßige Gebühren, die diese minimalen bargeldlosen Zahlungen unattraktiv werden lassen.

Insbesondere die sofortige Verfügbarkeit von Zahlungen wird Auswirkungen auf durch Banken zur Verfügung gestellten Betriebsmittelfinanzierungen haben. Zwischenzufinanzierende Transaktionszeiten entfallen ebenso wie die dafür erhobenen Gebühren an den Kunden.

Die Blockchain Technologie kann durchaus auch als Alternative zu den teuren und verwaltungsaufwendigen Akkreditiven und Garantien genutzt werden. Die im Laufe der Abwicklung internationaler Handelsaktivitäten zu berücksichtigenden Zwischenschritte sind innerhalb des Smart-Contracts erfasst und werden vollautomatisiert bei Fälligkeit ausgeführt.   

Sollten internationale Handelsgeschäfte und auch deren monetären Gegenwerte innerhalb der für ihre Abwicklung genutzten Blockchain verbleiben, so schließt sich der Gedanke an eine Währungsvereinheitlichung an. Innerhalb der Blockchain werden Werte mit entsprechenden Gegenwerten, zunächst unabhängig von ihrer jeweiligen finanzpolitischen Herkunft ausgetauscht. Welcher Währung diese Werte gleichgesetzt werden, obliegt der Blockchain. Erst der Austritt des Wertes zwingt zu einer Umrechnung. Je weiter die Ketten der Technologie also reichen, desto unabhängiger sind die Beteiligten von wie auch immer gearteten und unter Umständen wieder von übergeordnet politischer Stelle ausgelösten oder auch abgesicherten Währungsschwankungen.

Neuartige, eben digitale Währungsrisiken möchten wir an dieser Stelle nicht unbeachtet lassen. Nahezu jedes Blockchain-System kreiert seine eigene Währung, die marktwirtschaftlichen Angebot- und Nachfrageregeln folgt. Vertrauen in und Umfang der jeweiligen Währung bzw. der ihr zu Grunde liegenden Blockchain ist ausschlaggebend für ihre Volatilität. Die People’s Bank of China beispielsweise deklarierte 2013 Bitcoin als eine Währung ohne tatsächlichen Gegenwert und stellte darüber hinaus ihren legalen Status in Frage. So kam zu einem beachtlichen Bitcoin-Kursverlust um 20 %.

Sie sehen schon anhand dieser überschaubaren Anzahl von Beispielen den weitreichenden Einfluss aber auch die Verflechtung der Technologie auf und mit bestehenden Finanzsystemen und Ertragsstrukturen.

Versicherungen

Eine Versicherung ist an zahlreiche Bedingungen geknüpft und umfasst unterschiedliche Leistungen für den Eintritt unterschiedlichster Versicherungsfälle.

Smart-Contracts in Verbindung mit IoT (Smart Home, Telematik, Versicherung gegen Flugverspätung etc.) können hier eine für Versicherer und Versicherten kostengünstige Lösung sein.

Versicherungen BlockchainBesonders spannend und eindeutig belegbar sind Eintritte von Naturereignissen, die zu einem Schadensfall führen. Anhand der im Rahmen des jeweiligen Smart-Contracts gespeicherten Daten wie Ort, versichertes Objekt und versicherte Gefahr kann bei Eintritt des „Wenn-Falls“, wie beispielsweise Hochwasser unter Anbindung des Wetterdienstes der „Dann-Fall“ – also die Entschädigungszahlung - ohne Intermediäre wie Sachbearbeiter, Makler oder Banken legitimiert und ausgelöst werden.

Solche Konstrukte sind nicht nur bei an Naturereignisse gekoppelte Schadensfälle denkbar. Noch einen Schritt weiter gehen die Überlegungen im Bereich Krankenversicherung. Malus-Systeme mit Incentives für die Bereitstellung von self-tracking Daten könnten vollautomatisiert durch die Kopplung von Versicherungssystem und der eigenen Smart-Watch die heutigen Bonussysteme ablösen.

Heute kann der Versicherte sich seine Gesundheit durch ausbleibende akute und den Nachweis von prophylaktischen Arztbesuchen zertifizieren und durch Boni belohnen lassen.

Künftig wird die Einspeisung von persönlichen Fitness- und Aktivitätsdaten in die Blockchain darüber hinaus Anreize im Beitragssystem der Versicherer bieten können.

Das Fahrverhalten von Kraftfahrt-Versicherten kann mittels Telematik in den Versicherungsvertrag einfließen und den Beitrag beeinflussen.

Auch Hausratversicherungen betreten durch Smart-Home-Lösungen eine neue Ära. Versicherer, Versicherter, das smarte Objekt, Wetterdienst und Polizei sind Teil der Blockchain und somit jederzeit im Bilde darüber, was mit dem versicherten Objekt geschieht. Eine Einbruchsmeldung muss nicht durch zeit- und kostenaufwendige Dokumentationen belegt werden. Ob der Versicherte Mitschuld trägt, kann anhand unverschlossenen gemeldeter Fenstern oder Türen nachvollzogen werden. Darüber hinaus kann der Weg abhanden gekommener, in der Blockchain verlinkter Geräte unter Umständen verfolgt werden.

Dies gilt auch für völlig andersartige Wertgegenstände wie beispielsweise Diamanten. Das Londoner Startup Everledger hat bisher hunderttausende Diamanten anhand von je 40 individuellen Merkmalen authentifiziert und diese inklusive ihres nachgewiesenen Besitzers in der Blockchain gespeichert. Sowohl Versicherungsbetrug als auch eine Veräußerung an gutgläubige Dritte ist für diese Steine unmöglich.

Zwei wesentliche Aspekte des Kostenfaktors Versicherung sind hier erkennbar:

  1. Das Versichern eines jeglichen Risikos ist ein unbestimmtes Wagnis. Diese Unsicherheit kann durch ein maßgeschneidertes Beitragssystem minimiert werde. Nutzbar sind in diesem Bereich sowohl historische Daten als eben auch laufend zur Verfügung stehende Daten des versicherten Risikos. Dazu zählen Klimabedingungen, Einbruchs- oder Diebstahl-Frequenzen sowie die laufend getroffenen Gegenmaßnahmen. Beispielhaft aufgeführt sind hier Gesundheits- und Aktivitätsdaten bei Personenversicherungen und die laufende Überwachung eines Haushaltes im Rahmen einer Smart-Home-Lösung.
  1. Der Schaden, dessen Eintritt verifiziert und bearbeitet werden muss. Dass dieser Schaden an dem versicherten Objekt aufgetreten ist und welche (Teil-) Verantwortlichkeit der Versicherungsnehmer trägt, kann durch die dargestellten Vernetzungen ohne langwierige und kostenintensive Auseinandersetzungen objektiv belegt werden.

Energiewirtschaft

Energiewirtschaft BlockchainHeutzutage führt die Stromversorgung jedes Konsumenten über das flächendeckende Verbundnetz und die entsprechenden Versorger. Private Erzeuger entscheiden nicht autark, wer welchen Anteil des von Ihnen erzeugten Stroms zu welchem Preis nutzen kann. 

Die von der Blockchain-Technologie getriebene Vision verspricht genau das. Ein Netzwerk, in dem jeder Erzeuger von Strom diesen einem Endkonsumenten direkt vermitteln kann. 

Betreiber von Solarzellen, Biogasanlagen oder ähnlichem veräußern nicht selbst verwandten Strom ohne autoritären, die Preise bestimmenden Stromnetzbetreiber an andere Endverbraucher. Dieser Endverbraucher kann verlässlich die Quelle seines Stroms bestimmen. Durch den Zuschnitt der Blockchain kann beispielsweise eindeutig zwischen Öko- und nicht Ökostrom unterschieden werden, was zu einer bewussten Entscheidung des Konsumenten beiträgt.

Preise und sämtliche weiteren vertraglichen Vereinbarungen hinterlegen die Parteien in der Blockchain, die Geschäfte werden automatisch ausgeführt. Stromzähler erfassen den Energiefluss und übertragen die Daten an die Blockchain. 

Um eine möglichst hohes Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch herzustellen, ist es denkbar, Smart-Home-Systeme in die Blockchain zu integrieren. Haushaltsgeräte werden so gesteuert, dass sie von temporären Stromüberangeboten Gebrauch machen.

Eine auslastungsgebundene Preisgestaltung gibt Anreize für Stromreduzierung bzw. nutzergerechte Verwendung von Überschüssen (durch tagsüber leere Haushalte erzeugter Strom kann beispielsweise von Büros genutzt werden)

Dass dies kein Zukunftsszenario mehr ist, belegt die im April 2016 erstmals in New York genutzte Plattform auf Basis von Blockchain zur Abrechnung dezentral erzeugter Energie (Brooklyn Micrigrid).

Identitätsmanagement

Identitätsmanagement BlockchainDer Schutz persönlicher Daten vor unberechtigter Einsichtnahme und Nutzung hat insbesondere im Zuge der zunehmenden Digitalisierung eine enorme Komplexität erreicht.

Einzigartig und in der im Vergleich zu anderen Methoden als fälschungssicher eingestuft sind biometrischen Merkmale.  

Ein Iris-Scan, Fingerabdrücke oder auch das DNA-Profil werden in der Blockchain gespeichert und dienen global und dokumentlos als Identitätsnachweis. Wer Zugriff auf welchen Umfang der gespeicherten Daten hat, kann der registrierte Nutzer selbst entscheiden. Die Entscheidung ist smart an die Daten geknüpft ebenfalls in der Blockchain abgelegt.

Der Umfang und die Reichweite der Identitätsmerkmale können beliebig weit gefasst und verschiedenen, explizit autorisierten Nutzern zugänglich gemacht werden.

Bisher sicher im Original zu hütende Dokumente wie Geburtsurkunden, Personalausweise, Führerscheine, Bildungsabschlüsse und so weiter werden dezentral und fälschungssicher verwaltet.  Auch Gesundheitsdaten, Blut- und Organspendeausweise sind so im Notfall immer griffbereit.

Heirat, Testamentsverfügungen, Elternschaft ... - all dies kann sicher vor Verlust und Fremdzugriff geschützt, schnell und nachvollziehbar dokumentiert und verwaltet werden

Die Bereitstellung eines solchen Verwaltungssystems verspricht dem datengebenden Nutzer die Macht über den Zugriff auf die eigenen Daten.

Mögliche, die Daten unter Umständen auch präventiv einbeziehende Nutzer könnten die Polizei, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Standesämter und Notare sein.

Ein bereits implementiertes System für Identitätsmanagement ist die Blockstack, die ähnlich funktioniert wie andere, passwortbasierte Systeme, die auf dem BYOI-Prinzip („bring your own identity“) beruhen. Die blockchainbasierte Blockstack-Identifikation gilt als fälschungssicher.

Zugriffsberechtigungen beruflicher und privater Natur auf beispielsweise Email-oder Social-Media-Accounts, Onlinebanking oder angeschlossene online-Shops werden heute schon mit diesem digitalen Fingerabdruck gesteuert. 

Urheberrecht

Urheberrecht BlockchainMomentan herrschende Schwierigkeiten wie Lizenzdiskussionen, die nicht alle Stakeholder einbeziehen und fair behandeln, könnten mit der Nutzung eines blockchainbasierten Verwaltungs- und Vermarktungssystems für geistiges Eigentum wie Musik, Kunst und auch Softwareentwicklungen der Vergangenheit angehören.

Geschaffen wird in diesem Szenario eine plattformübergreifende Lösung, in der über Smart-Contracts vom Urheber festgelegte Konditionen für die Nutzung, den Erwerb und die Weiterverwendung der Werte verwaltet werden.

Dem Urheber wird eine direkte und unabhängige Marktteilnahme ermöglicht, dem Konsumenten eine polypolistische Preisgestaltung.

 

Wahlsysteme

Die Stimme pro Wahlgang einmalig, fälschungssicher und ohne den Gang zur Urne abgeben zu können, könnte sowohl die Wahlbeteiligung erhöhen als auch die Auszählung der abgegebenen Stimmen erleichtern.

Auch eine Erweiterung der Demokratie durch die verstärkte Einbindung des Volkes in Gesetztesfindungen oder Petitionen, für die eine klassische Wahl unverhältnismäßig viel Aufwand bedeutete, ist denkbar.

Wahlsysteme BlockchainBisherige Entwürfe elektronischer Wahlsysteme sind aufgrund der Manipulationsgefahr und der nicht gewährleisteten Anonymität der Wähler gescheitert.

Und auch aktuell agierende bzw. sich im Test befindliche Wahlsysteme auf Blockchainbasis haben im Wesentlichen die Tücke der Anonymität. Im Rahmen von Multi Signature Smart Contracts zwischen Wähler, Kandidaten und Legislatur abgegebene Stimmen können durch den öffentlichen Schlüssel akzeptiert und durch den privaten Schlüssel abgegeben werden, das Ergebnis kann man in einer Blockchain ablesen. Strittig ist, ob dem Empfänger zumindest der öffentliche Schlüssel des Wählers, also genau der Einstiegspunkt in das System bekannt ist. Und dies wäre fatal.

Ein weiterer Ansatz ist die Kombination des öffentlichen Schlüssels mit einem sogenannten Zero-Point-Protokoll. Der öffentliche Schlüssel wird über eine mathematische Funktion in der Art kryptisch verschlüsselt, dass er funktionell aber unleserlich ist. Aktiv verwendet wird dieses Zero-Point-Protokoll noch nicht.

Wahlen sind eines der deutlich sensibleren Bereiche, die mit Hilfe der Blockchain-Technologie vereinfacht, beschleunigt und umfassender genutzt werden könnten, so ihr unabänderbarer Anonymitätszwang schon bei Einstieg in die geschlossene Wahl-Blockchain gewährleistet werden kann. 

Versorgungskette (Wirtschaft)

Versorgungskette BlockchainDer Lebenszyklus eines jeden Produkts kann unter Zuhilfenahme der Blockchain von Anfang bis Ende verfolgt werden. Schwindel bezüglich der Eigentumsverhältnisse und der Herkunft sind unmöglich.

Eine solche Technologie ist wohl besonders interessant für Lebensmittel, deren Herkunft, Verarbeitung, Kühl- und Lieferketten problemlos verfolgt und dem Endnutzer bestätigt werden können. Der Handel mit Antiquitäten sowie (Gebraucht-)Fahrzeugen ist nachvollziehbar, Betrug und Hehlerei deutlich erschwert. Ein System, das als Lieferscheinersatz und Qualitätssiegel fungiert.

Voraussetzung für eine lückenlose Dokumentation eines Produktes ist – wie bei allen Blockchainvarianten - die Synchronisation aller Beteiligter.

Bezogen auf Konsumgüter ist das Ausmaß einer solchen Blockchain allerdings als massiv einzustufen. Sämtliche Hersteller, Verarbeiter, Händler und Endkonsumenten wären zu integrieren.

Die vollkommene Transparenz der Produktherstellung bis zu ihrem Recycling führt zu Nachvollziehbarkeiten in der Wertschöpfung von Produkten. Der Vorteil für den Endnutzer birgt durchaus aber die Gefahr für die weiteren Beteiligten, der Offenlegung ihrer Wertschöpfung und Ihrer Margen ausgesetzt zu sein.

Fazit

Ein freier, in Teilen unbekannter Datenkoloss in Kinderschuhen, der auf seinem Weg noch erhebliche juristische und politische Hürden zu nehmen hat.

Mit der Blockchain wurde eine Technologie entwickelt, deren Einsatzmöglichkeit sich uneingeschränkt über alle technisch gestützten Lebensbereiche erstreckt.

Unserer Einschätzung nach wird sich der Einsatz der blockchainbasierten Technik zunächst auf kleinere Bereiche fokussieren, deren Nutzerkreise exklusiv, konkret umrissen und deren Spannweiten sehr unterschiedlich sein werden. Ein zunächst überschaubarer Kosmos, der Sicherheit einerseits durch die Technologie an sich und andererseits durch den zugelassenen Nutzerkreis garantiert. Vorteile sind trotz der vermutlich eher minimalinflationären Ausweitung, dass sie dezentral, schnell und durch weniger Verwaltungsaufwand kostengünstig funktioniert.

Dieser erste Schritt läuft entgegen der Grundidee, der Zielvorstellung der Blockchain, ohne Autoritäten handeln und buchhalten zu können. Bei dem aus unserer persönlichen Sicht präferierten Einstieg in diese Technologie in Form der pre-generierten Blocks gibt es eine künstliche oligarchische Autorität. Das Vertrauen in diese Autorität wird der Schlüssel zu der gewünschten inflationären Verbreitung sein, da die herausragenden Vorteile der hier vorgestellten Technologie mit der Masse an angeschlossenen Nutzern steht und fällt.

Den konsequenten zweiten Schritt stellen die Ausbildung von Schnittstellen und später die Zusammenlegung unterschiedlicher Blockchains ähnlicher Units dar.

Ziel insbesondere all derjenigen, deren Rolle als Intermediär von dem System „bedroht“ scheint, sollte es sein, als Vertrauen schaffender Akteur Teil zu haben an der Entwicklung, der Ausgestaltung und auch dem Zusammenschluss mit weiteren Beteiligten. 

Eigene Anwendungspräferenzen aus den mannigfaltigen Möglichkeiten auszuwählen und zu verfolgen. Als Anbieter eine Nische für den gewählten Teilbereich zu finden und dort die größtmögliche Verbreitung zu erreichen, dürfte auch bisherigen Intermediären ihre Daseinsberechtigung sichern.

Lassen Sie uns gern über die Möglichkeiten diskutieren. Wir freuen uns über Ihren Kontakt und den Austausch.

Merle von Stephani
Autor: Merle von Stephani
Merle von Stephani ist als Projektleiterin und Business Analystin bei der BBHT Beratungsgesellschaft tätig. Ihre langjährige Erfahrung in der Finanz- und Versicherungswirtschaft bringt sie seit 2016 in die Projekte unserer Kunden ein.

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