In den beiden Blogartikeln zur Blockchain (Link zu Blockchain 1 und Link zu Blockchain 2) wurde bereits umfassend über die Technologie und die möglichen Anwendungsbereiche der Blockchain berichtet. Dieser Artikel soll sich nun darauf konzentrieren, wie die Finanzierungen von Blockchain geprägten Projekten bisher realisiert worden sind.

 

Währungen

Exkurs

Bevor wir konkret in das Thema einsteigen, vergleichen wir in einem kurzen Exkurs zunächst den konventionellen und den auf der Blockchain basierenden Währungsmarkt. Eine konventionelle Währung wie € oder $ hat streng genommen nur Geltung in ihrem eigenen Währungsraum (ortsbezogen entsprechend innerhalb von Landes- oder Unionsgrenzen). Die Hoheit über der jeweiligen Währung liegt in der Zentralbank des Staates oder der Union.

Anders ist es mit den sogenannten Kryptowährungen (Coins oder Tokens, die auf der Blockchain Technologie basieren und strikt zweckgebunden sind – die „Währung“ auf der Blockchain). Diese lassen sich nicht auf Orte begrenzen und unterliegen derzeit auch keiner Aufsicht. Zwar gibt es auch hier unterschiedliche Währungen, jedoch resultieren diese aus den dahinterliegenden Projektideen. Sowohl der Handel als auch die Verwaltung solcher Kryptowährung erfolgt ausschließlich in digitaler (und häufig auch sehr techniklastiger) Form. Der Kurs jeder Kryptowährung ist allein auf den Projekterfolg, dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage und der künstlichen Verknappung der Kryptowährung gesteuert und kann dadurch hochvolatil und risikolastig sein. Die momentanen Top 3 Kryptowährungen, abwärts nach ihrer jeweiligen Marktkapitalisierung sortiert, sind: Bitcoin (~99 Mrd. EUR), Ether (ETH, ~20 Mrd. EUR) und XRP (XRP, ~19 Mrd. EUR). 

 

Währungen

Nun aber zum eigentlichen Thema: Initial Coin Offering (kurz: ICO) 

Sowohl von der Begrifflichkeit als auch von der Idee her, orientiert sich ein ICO an dem Grundsatz eines Initial Public Offering (kurz: IPO). Ein IPO beschreibt den Prozess, in dem sich ein Unternehmen erstmalig am Aktienmarkt platziert. Vorausgesetzt, die richtige Unternehmensform liegt vor (in Deutschland die Aktiengesellschaft, kurz: AG), können Interessenten zum Emissionspreis (initialer verfahrensbedingter Wert einer Aktie, der auf dem Nennwert der Aktie basiert) Aktien dieser Gesellschaft am Markt erwerben. Neben dem monetären Wert, erhalten die Anleger zusätzlich auch Stimmrechte und Unternehmensanteile, deren Gewicht sich aus dem Verhältnis der am Markt gehandelten Unternehmensaktien und denen im eigenen Besitz, ermittelt. Ein IPO ist sowohl zeit- als auch kostenintensiv und dauert bis zum Markteintritt im Regelfall etwa ein Jahr: für junge oder kleine Unternehmen kaum eine Option, geschweige denn für Einzelpersonen (aufgrund der fehlenden Unternehmensform). Andersherum sind hier strikte Vorgaben und Regulation zum Schutze der Anleger und Anbieter gegeben und ermöglichen so einen stabilen Markt.

Ein ICO verfolgt im Grunde das gleiche Ziel: Anleger erwerben zu einem festen Wechselkurs Coins bzw. Tokens. Abgesehen davon gibt es keine weiteren Bedingungen oder Vorgaben. Weder gibt es einzuhaltende Fristen für den Handel mit den Coins/Tokens, noch hat der Anleger irgendeine Art der Partizipation am Unternehmen, geschweige denn Anteile daran.

ICO

ICOs werden seit jüngster Zeit weltweit von Unternehmen und Einzelpersonen als Crowdfunding (finanzielle Unterstützung einer Vielzahl von Personen/Unternehmen) genutzt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auf diese Weise große Finanzierungssummen in kürzester Zeit gesammelt werden können. Sowohl die Bezahlung als auch der Zufluss der Coins erfolgt vollständig auf einer Blockchain und ist somit abseits jeglicher bisheriger Regulationsbereiche. Konventionelle Finanzierungsmethoden sind eher regional und/oder an institutionelle Zielgruppen gerichtet. Dazugehörige Vereinbarungen und Vertragsbindungen zur Absicherung tragen schließlich dazu bei, dass dieser Finanzierungsprozess träger und zeitintensiver ist als ein ICO. Im Umkehrschluss verzichten Anbieter eines ICOs demnach auf Bedingungen oder legen diese nur unmittelbar in sogenannten Smart Contracts (Programme, die Ereignisse auslösen, sofern zuvor definierte Bedingungen eintreten) fest. Allerdings konzentrieren diese sich nur auf die Abwicklung der Transaktion. Es ist keine höhere Institution vorhanden, die im Zweifelsfall schlichtet oder Schadensansprüche geltend machen kann. Anleger unterliegen somit einem hohen Risiko, ihre Investition teilweise oder vollständig zu verlieren. Aufgrund dieser fehlenden Konsequenz für den Anbieter, sind folglich auch einige ICOs mit betrügerischen Absichten gestartet worden. In solchen Fällen wurden Anleger zwar mit den angebotenen Tokens vergütet, diese verloren allerdings sehr schnell ihren Wert, da das Projekt schlicht aufgegeben wurde und die Anbieter mit ihrem erhaltenen Ether oder Bitcoins untergetaucht sind. Denn neben der fehlenden Möglichkeit, eine Transaktion rückgängig zu machen, kann der Empfänger ohne große Mühen zusätzlich den Weg der erschlichenen Finanzierung und seine eigene Identität verschleiern.

Vertrauenswürdige und innovationsgetriebene ICOs rücken somit ebenfalls in ein fragwürdiges Licht, sodass in einigen Ländern schließlich erste regulatorische Maßnahmen ergriffen wurden. China beispielsweise verbietet ICOs seit 2017 gänzlich, wohingegen die USA und Deutschland auf individuelle Regulierung setzen. So gibt die BaFin Verbrauchern den Hinweis, dass es sich bei ICOs um Anlagen mit hohen Risiken handelt, die hochspekulativ sind und zum Totalverlust der Investition führen können. ICOs seien häufig an Projekte in einem sehr frühen Entwicklungsstadium geknüpft, die noch keine Aussagekraft über die weitere Entwicklung haben. Die starke Volatilität allerdings wird von einigen Anlegern erwünscht, um mit einer Hebelwirkung die Tokens zum optimalen Zeitpunkt wieder verkaufen zu können. Somit haben wir auf internationaler Ebene eine sehr lückenhafte Regulation. Diese aber einheitlich zu definieren und flächendeckend zu etablieren wird nur langfristig erfolgen können. Die Thematik und Notwendigkeit ist noch sehr neu und erfordert für weitere, weitreichende Maßnahmen ein einheitliches Verständnis über die Chancen und Risiken von ICOs. 

 

Fazit

ICOs basieren auf einer neuen Technologie und ermöglichen gleichzeitig eine Finanzierungsgrundlage für die weitere Entwicklung jener. Da diese Technologie keine natürliche Grenze kennt (das Netzwerk definiert die Grenzen), kann eine Regulation langfristig nicht allein auf nationaler Ebene erfolgen. Eine Sensibilisierung der Anleger hinsichtlich möglicher Folgen trägt allerdings bereits jetzt dazu bei, dass betrügerische ICOs erkannt, vermieden und gemeldet werden. So können ICOs weiterhin von innovationsgetriebenen Projekten genutzt werden, um zum Einen ihre Vision zu verwirklichen und zum Anderen die technologische Wettbewerbsfähigkeit des jeweiligen Landes zu unterstützen.

Haben Sie Fragen oder brauchen Sie Unterstützung zur Umsetzung regulatorischer Vorgaben? Wir helfen Ihnen gerne weiter!

 

Viktor Fast
Autor: Viktor Fast
Viktor Fast ist als Business Analyst bei der BBHT Beratungsgesellschaft tätig. Seine analytischen und technischen Fähigkeiten bringt er seit 2017 in die Projekte unserer Kunden ein.

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